Hella De Santarossa
Einst Pionierin der „Jungen Wilden“, bezeichnet sich die Künstlerin selbst als „Cross-Artist“. Sie verbindet neue mit alten Medien, kreuzt Malerei, Glas, Performance und Film. Licht, Luft und Zeit sind zentrale Elemente in ihrem facettenreichen Werk.
Im museum FLUXUS+ werden Arbeiten aus verschiedenen Werkgruppen ihres Schaffens gezeigt. Mehrere Glasarbeiten und Modelle aus "Hella´s Obelisken-Welt" sind zu sehen, von denen der "Blaue Obelisk" realisiert als Großplastik auf dem Berliner Theodor-Heuss-Platz steht.
Zwei Probe-Segmente aus dem Altarbild für den Kirchenbau "St. Florian", München-Riem zeigen die vollendete Kraft des Lichtes dieser Sakralkunst. Beispielhaft sind die Werke ihrer expressiven Malerei aus der Zeit der "Hit-" und "Teenie-Paintings" oder die "Outdoor"-Arbeiten, in denen die Künstlerin die "explodierenden" und "brennenden" Farben der Natur festhält.
Hella De Santarossa begeistert sich schon im Kindesalter im elterlichen Familien-Unternehmen „Päpstliche Hofglasmalerei Wilhelm Derix“ für bildende Kunst. Die in ihrem Elternhaus in Kaiserswerth (bei Düsseldorf) verkehrenden Künstler wie Meistermann, Berke, Thomkins und andere beeindruckten sie. Sie erwirbt die Diplome der Glasmalerei in Hadamar und der Werkpädagogik in Düsseldorf. Gerade erst volljährig, eröffnet sie gemeinsam mit Experten wie Kirves die erste Konzept Art Galerie in Düsseldorf, entwirft deutschlandweit erfolgreich Mode und gibt Werkunterricht an der Schule. Sie trifft u.a. auf J. Gerz, T. Fox, K. Staeck und J. Beuys, mit dem sie in den 80er Jahren oft als Gesprächspartner in öffentlichen Rundfunk-Sendungen zu hören und sehen ist. Die frühen, vielspartigen Gehversuche kanalisieren sich ab 1974 im Studium der Freien Malerei an der HdK Berlin bei Prof. K. Hödicke. Als Hella S. beginnt, Kurzfilme zu drehen, erhält sie als erste „Junge Wilde“ ein Stipendium in den U.S.A., wo sie in San Francisco mit dem Schwerpunkt Film studiert und die flag paintings entstehen. Weitere Stipendien und Preise folgen, wie z.B. Dt. Kunstfond; DAAD-Stipendium, Florenz, Gast in der Villa Romagna, wo auch ihre Hitpaintings mit Teenies entstehen. In der Villa Massimo, Olevano, beginnt sie eine bemerkenswerte Akt-Werkgruppe über ihren Geliebten. Das Schmidt-Rottluff-Stipendium bringt sie u.a. nach Brasilien; dort entsteht ein mehrjähriges Oeuvre über Tänze und Macumba. Schon damals arbeitet sie „cross-artig“, d.h. mit Kamera, Musik, Performance und Gedichten als notizenhafte Impressionen: Mit allen Sinnen und in gedanklichen Überlegungen erkennt sie die Problematik des deutschen Schubladendenkens und setzt globale Cross-Art dagegen. Als Gastprofessorin lehrt sie seit Anfang der 80er u.a. an der Osloer Kunstakademie, der Slade School in London und dem Sydney College of the Arts. Sie ist Mitbegründerin der Selbsthilfe-Galerie am Moritzplatz. Als alleinerziehende Mutter engagiert sie sich öffentlich für das Frauenrecht in der Kunst, setzt sich während ihres Stipendiums als Vorsitzende im Künstlerhaus Bethanien jahrelang für ihre Kollegen ein. Nach dem Tod der Mutter übernimmt sie aus Verantwortungsgefühl gegenüber den langjährigen Mitarbeitern und ihrer Familie die Geschäftsführung des elterlichen Betriebs und führt gewissermaßen ein Doppelleben als Künstlerin und Unternehmensmanagerin. Und sie engagiert sich noch offensiver in der Kunst. Sie entwickelt als Novum ihre Obeliskenwelt. 1995 baut sie den – weltweit noch immer einzigen - freistehenden Glasturm, den „Blauen Obelisk“ in Berlin. 1988 malt sie den 30 Meter langen Bildfries „Rot-weißer Karren“, der erst im Bonner Bundestag und inzwischen im Berliner Reichstag seinen endgültigen Platz gefunden hat. Auch im politischen Zeitgeschehen engagiert sie sich als Künstlerin: Europäische Einigung, Ost-West-Zusammenführung – besonders in Berlin – das sind für Hella S. wichtige Themen. Unter anderem stehen dafür die Werkreihen „Löwenbauten“ und „Brandenburger Tor“. Als erste westdeutsche Professorin lehrt sie nach der Wende an der Sommerakademie in Potsdam ostdeutsche Studenten und führt mit ihnen Kunstprojekte zur Wiedervereinigung durch, z.B. "Ein Volk – ein Baum – ein Einbaum". So wie sich die vielfältigen Dinge und Ereignisse im Leben der Hella S. überkreuzen, mischen sich bei ihr auch die Materialien mit Raum, Zeit und Bewegung. Es wandelt sich die Malerei zur Skulptur, die Bewegungen einfängt und die – mit Geräuschen und Musik verschmolzen – sich zu einem Crossart-Objekt entwickelt; diese Stilrichtung hat sie initiiert. Die Grenzen eingefahrener Kunstrichtungen und herkömmlicher Glaskunsttechniken werden bei der Cross-Art gesprengt; die Akteurin kreuzt wider alle Standards und wirft diese scheinbar mühelos übers Kreuz - ohne jedoch den Respekt vor den Techniken, Elementen und Materialien zu verlieren. Das für den Christus-Pavillon geschaffene Marienfenster und die Performance „Maria sichtbar machen“ vereinen auf der EXPO 2000 beispielhaft diese Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen. Seit Ende der 90er Jahre widmet sich Hella S. schwerpunktmäßig sakraler Auftragskunst. Sie baut glastempelartige Kunstwerke, die in mitreißenden Lichtbrechungen vom menschlichen Dasein und von Gottesführung sprechen. Sie nutzt den Werkstoff Glas bis zum Äußersten; sie kreiert, baut, zerstört Glas, setzt es neu zusammen, integriert Lava und andere Naturrelikte.... so entstehen gewaltige, sensible Kompositionen. Einige Beispiele: „Schöpfungsgeschichte“, Hl.-Geist-Kirche Heidelberg (1998 – 2002); "Christlicher Urknall", Simon-Petrus-Kirche Bremen (2000-2002); „Hörer des Wortes“, Karl-Rahner-Hauskapelle, Freiburg (2004-05); „Auferstehung“, „Marianische Installation“ und „Patrozinium“, St. Florian-Kirche in München-Riem (2002-2006) mit Europas größter, zusammenhängend gemalter Bildskulptur. Hella S. lässt den Werkstoff Glas singen, klirren, aufblitzen; sie nutzt das Licht des Tages und der Nacht, gibt der Zeit eine räumliche Perspektive. So verleiht sie ihren Werken eine dritte, ja eine vierte Dimension... „Ich suche – und das immer neu – nach Dimensionen, die ich erahne. Auch wenn ich sie – erst im Chaos – noch nicht klar vor mir sehe. Das Licht ist Leben und ich stelle es dem Betrachter in aufgefächerten Facetten vor. Ich arbeite mich ab am Licht, welches Lichtjahre von uns entfernt dem Weltall entströmt.“
Hella De Santarossa




