Wolf Vostell

*14. Oktober 1932, Leverkusen (Deutschland)
† 3. April 1998, Berlin (Deutschland)

Kunstwerke Wolf Vostells (1932 - 98) bilden einen Schwerpunkt der Sammlung des museum FLUXUS+. Gezeigt werden sie im Obergeschoss, in thematischen Sektionen zusammengefasst und geben einen umfassenden Überblick über Vostells Schaffensphasen, Themen und Techniken.

Auftakt bildet das heute fast unbeachtete Frühwerk. Vostell, 1932 in Leverkusen geboren, ist einer der vielseitigsten Künstler der 60er Jahre. Er absolviert zunächst eine Lehre als Fotolithograf, studiert dann in Wuppertal und an den Akademien in Paris und Düsseldorf. Seine Arbeitsweise ist anfänglich noch in den konventionellen Techniken verhaftet, lässt jedoch inhaltlich bereits seine politische Verantwortung erkennen. So nimmt er in seinem Gemälde "Korea" (1953) Bezug auf die Grausamkeiten des Krieges: Zwei Menschen sind mit einem Panzer verschmolzen. Ein Mann hat den Mund zum Schrei geöffnet. Ein schiefes Haus im Hintergrund vermittelt, dass die Welt aus den Fugen geraten ist.
Kurze Zeit später zeichnen sich erste innovative Entwicklungen in Vostells Arbeitsweise ab. Er beginnt mit Collagen, Verwischungen und Videos zu experimentieren. Die Arbeit "Transmigration" (1958) nimmt dabei eine Schlüsselstellung ein. Erstmals integriert er hier einen Fernseher ins Bild. Das Gemälde, das mit Collageelementen durchsetzt ist, ist zerschlitzt. Durch den Riss in der Leinwand sieht man den flimmernden Bildschirm eines Fernsehers.
Ab diesem Zeitpunkt gehören TV-Installationen zum festen Bestandteil seines Schaffens. Eine späte Arbeit aus dieser Reihe ist die Bronzeskulptur "Berlinerin" (1994). Sie entsteht vier Jahre vor seinem Tod. Wie schon bei "Transmigration" kombiniert Vostell hier vermeintlich unvereinbare Elemente und Materialien. Einerseits verwendet er einen klassischen Frauentorso aus edel glänzender Bronze, andererseits ergänzt er den Körper durch eine alltägliche Flasche und einen herkömmlichen Fernseher.
Spanien, wo Vostell 1976 das „Museo Vostell Malpartita“ gründet, inspiriert ihn, sich mit kunsthistorischen Themen vergangener Epochen auseinander zu setzen. Beispielhaft hierfür ist sein Bild der Maja (1993). Grundlage für seine Arbeit bildet das Gemälde "Die nackte Maja" (um 1789) von Francisco de Goya. Goya, der dieses Bild in zwei Versionen schuf - einmal mit bekleideter, einmal mit unbekleideter Maja - musste sich wegen der Aktdarstellung, die er ohne jede allegorische, mythologische oder religiöse Überhöhung darstellte, vor der Inquisition verantworten. 200 Jahre später bemächtigt sich Vostell dieser „verruchten“ Darstellung. Mit Blattgold, Beton und Tusche übermalt er die ursprüngliche Komposition und legt seine eigene Maja in einer Tuschzeichnung darüber.

Ausstellung: "NINE 4 FIVE - Neue Werke in der Sammlung"
16. Februar bis 28. April 2013 im atrium des museum FLUXUS+
Anlässlich des 5jährigen Jubiläums des privaten museum FLUXUS+ in Potsdam wurde eine Gemeinschaftsausstellung mit Arbeiten von neun Künstlern gezeigt. Mehrheitlich sollen diese „Neuen Werke in der Sammlung“ im Anschluss in die Dauerausstellung integriert werden. Der ganz besondere Reiz der Ausstellung kam von der Konsequenz, dass das gezeigt wurde, was dem Sammler gefällt und ihn persönlich mit der Welt des Fluxus und ausgewählten Positionen zeitgenössischer Kunst verbindet.
Neue Werke von Mary Bauermeister, Ben Patterson, Ann Noel, Dieter Roth, Lutz Friedel, Hella De Santarossa, Sebastian Heiner, Costantino Ciervo und Wolf Vostell wurden in die Sammlung integriert.

Ausstellung: "Fluxus, Film und Fernsehen"
19. November 2011 bis 29.Januar 2012 im atrium des museum FLUXUS+
Das museum FLUXUS+ beteiligte sich am Jahresthema "2011 Potsdam - Stadt des Films". So wie der Festival-Text schrieb, sind „bewegte Bilder allgegenwärtig“. Genau dies hatte Wolf Vostell bereits in den 50er und 60er Jahren erkannt und künstlerisch aufgearbeitet und zur Diskussion gestellt.
In dieser Ausstellung wurden ausgewählte Aspekte aus dem umfangreichen Gesamtwerk des Malers, Fluxus- und Happening-Künstlers, Grafikers, Bildhauers, Komponisten und Videopioniers gezeigt.
Wolf Vostell arbeitete in Zyklen, hat Themen über längere Zeiträume immer wieder aufgegriffen. In diesem Zusammenhang entstanden Filme, welche die Aussagen des Gesamtwerkes komplettierten, unter-strichen, ergänzten und dokumentierten. Sechs Filme von Wolf Vostell aus den 60er Jahren waren zu sehen. Bronzen und umfangreiches Dokumentationsmaterial rundeten die Ausstellung ab.

 

Biographie

Vita
1932Geboren in Leverkusen, Deutschland
 

Lehre als Fotolithograf, Studium in Wuppertal und an den Akademien in Paris und Düsseldorf

Erster künstlerischer Bezug auf die Grausamkeiten des Krieges ("Korea" 1953)

1976

Gründung des „Museo Vostell Malpartita“

1958Erste Einbindung eines Fernsehers in ein Werk ("Transmigration" 1958)
1998Gestorben in Berlin, Deutschland
Einzelausstellungen (Auswahl)
1966"Bilder, Verwischungen, Happening-Notationen 1961-1966" im Kölnischer Kunstverein in Köln, Deutschland
1978"Bilder 1959–1974". Museo de Arte Contemporaneo in Madrid, Spanien
1992"Vostell. Dipinti 1954–1991". Palazzo delle Esposizioni in Rom, Italien
2006"Die gesamte Druckgrafik". in der Kunsthalle Bremen, Deutschland
2010"Wolf Vostell Artista Europeo", Fondazione Mudima in Mailand, Italien
2011"Fluxus, Film und Fernsehen", museum FLUXUS+, Potsdam, Deutschland
Förderungen und Preise
1982Premio Pablo Iglesias, Madrid
1990Medaille de Paris
1992Ehrenprofessur, Berlin
1996Berliner Bär (BZ-Kulturpreis)
1997Hannah Höch Preis
1998Medalla de Extremadura, Spanien, (Postum)
1998Paseo Wolf Vostell, Malpartida de Caceres, Spanien, (Postum)
1998Ehrenbürger von Malpartida de Caceres, Spanien, (Postum)
2001Wolf-Vostell-Straße, Leverkusen (postum)
Vorträge und Lehrtätigkeit
1981Dozent, Internationale Sommerakademie Salzburg, Österreich

Ausstellungen im museum FLUXUS+

Diese Seite benutzt Cookies. Weiterlesen …