Dieter Roth

* 21. April 1930 Hannover (Deutschland)
† 5. Juni 1998 Basel (Schweiz)

Karl-Dietrich Roth ist mit drei Werken in der Dauerausstellung des museum FLUXUS+ vertreten:
oT, Siebdruck mit Tiefdruck des Künstlers auf weißem Bütten (1991)
"Zwei Gefangene Nr.2", Tiefdruck, Aquatinta und Radierung (1973)
oT, Druckgrafik

Karl-Dietrich Roth war ein Schweizer Dichter, Grafiker und intermedial arbeitender Aktions- und Objektkünstler deutscher Abstammung. Er gilt als Vertreter der Konkreten Poesie. Als Künstler signierte er zeitweise als Diter Rot, mit frei erfundenen anderen Namen und einfach als Dieter Roth.
Roth nahm in den 1960er Jahren an Happenings und Fluxusveranstaltungen teil. Er kreierte organische Kunstobjekte, die einem Prozess der allmählichen Veränderung und des Zerfalls unterlagen, unter anderem luftdicht abgeschlossene Gewürz- und Schimmelobjekte und Schokoladeobjekte, die von Schokoladenmotten zerfressen wurden. Zusammen mit Daniel Spoerri und André Thomkins fertigte er Werke der Eat-Art an. In den 70er Jahren gestaltete er inhaltlich und grafisch eine Vielzahl von Buchobjekten, die eine Verwandtschaft mit dem dadaistischen Werk Kurt Schwitters aufweisen.
1955 entwarf er in Kopenhagen Muster für Textilien, dann folgten Stationen in Island, Amerika und Deutschland. Mit einem Oneway-Ticket begab er sich 1958, angelockt durch eine vage Stellenzusage, nach Philadelphia an die School of Art. Als er die erhoffte Stelle nicht erhielt, versuchte der Achtundzwanzigjährige in New York Fuß zu fassen. Aus der finanziellen Not half ihm der Schweizer Herbert Matter. Matter gefielen die damaligen konstruktivistischen Arbeiten Roths. Er vermittelte ihm einen Lehrauftrag an der Yale University und später eine Stelle in der Reklameabteilung der Geigy-Versuchslaboratorien in Yonkers bei New York. Bei späteren Aufenthalten in New York lernte er Fluxus-Künstler kennen, komponierte mit ihnen, kritisierte aber ihre Moral: „Ich glaube eben nicht daran, dass die Askese irgendjemanden gut tut, außer dass sie einen Triumph darstellt, derer, die sie üben“. In den 1960er Jahren wand Roth die umgekehrte Devise an und setzte unasketisch auf Quantität. Er produzierte zuweilen 100 Bilder am Tag. Mit „Literaturwürsten“ und „Schimmelbildern“ brach er von den zwei Dimensionen der Graphik in die Räumlichkeit auf.

Ausstellung: "NINE 4 FIVE - Neue Werke in der Sammlung"
16. Februar bis 28. April 2013 im atrium des museum FLUXUS+
Anlässlich des 5jährigen Jubiläums des privaten museum FLUXUS+ in Potsdam wurde eine Gemeinschaftsausstellung mit Arbeiten von neun Künstlern gezeigt. Mehrheitlich sollen diese „Neuen Werke in der Sammlung“ im Anschluss in die Dauerausstellung integriert werden. Der ganz besondere Reiz der Ausstellung kam von der Konsequenz, dass das gezeigt wurde, was dem Sammler gefällt und ihn persönlich mit der Welt des Fluxus und ausgewählten Positionen zeitgenössischer Kunst verbindet.
Neue Werke von Mary Bauermeister, Ben Patterson, Ann Noel, Dieter Roth, Lutz Friedel, Hella De Santarossa, Sebastian Heiner, Costantino Ciervo und Wolf Vostell wurden in die Sammlung integriert.

Biographie

Vita

1930

Am 21.04.1930 als Karl-Dietrich Roth in Hannover als einer von drei Söhnen einer Deutschen und eines schweizer Kaufmanns geboren.

1933

Besuch der Volksschule in Hannover-Döhren.

1940

Besuch der Oberschule in Hannover.

 

1943

Roth wird bei Pflegeeltern in Zürich untergebracht. Im Hotel der Familie Fritz Wyss, wo Roth drei Jahre bleiben wird, halten sich während des Krieges auch jüdische und kommunistische Künstler und Schauspieler auf. In diesem Umfeld beginnt Roth Gedichte zu schreiben und fertigt erste Zeichnungen, Pastelle und Aquarelle an.

1946

Die Eltern kommen in die Schweiz, und die Familie wohnt gemeinsam in Herisau. Roth besucht das Gymnasium in St. Gallen. Seine erste Radierung auf Dosenblech sowie erste Ölbilder entstehen.

1947

Roth bricht das Gymnasium ab und beginnt eine Lehre als Werbegraphiker bei Friedrich Wüthrich in Bern (bis 1951). Er lernt dort alle wichtigen Drucktechniken kennen. Es entstehen Linol- und Holzschnitte. Roth trifft Franz Eggenschwiler und Paul Thalmann.

1949

Erste Collagen aus bemaltem Schrott. Roth erleidet einen Nervenzusammenbruch und unternimmt einen Selbstmordversuch.

1930-1950 

Jugend in Hannover, Übersiedlung in die Schweiz, Ausbildung

1950-1959 

geometrische Arbeiten, orientiert an den „Zürcher Konkreten“, wird Stoffdesigner in Dänemark, erste Filmexperimente und Buchkonzepte, geht nach Island

1960-1964

Schmuckdesign, freie Kunst, Architekturmodelle, Arbeit am „Copley-Book“, gründet Möbelgeschäft in Reykjavik

1964-1966 

Arbeit am „Snow“-Buch in Philadelphia, Lehrauftrag in Providence, Rhode Island, USA, erste Kunstwerke aus organischen Materialien, Arbeit am Buch „Mundunculum“

1966-1971 

Hochphase der Arbeiten aus Lebensmitteln, Gedichtbände „Scheisse“-Zyklus und „Tränenmeer“, weitere Künstlerbücher, große druckgraphische Produktion, Schmuckentwürfe

Teilnahme an zahlreichen Happenings und Fluxusveranstaltungen

Produktion von bis zu 100 Werken am Tag

1972-1980 

Malerei und Zeichnung, darunter auch „beidhändige Schnellzeichnungen“, Künstlerbücher, Druckgraphik, gründet „Dieter Roth’s Familienverlag“, später Assemblagen mit gefundenem Material und Abfällen

1980-1989 

Multimediale, installative und biographische Arbeiten: Konzerte, Perfomances, Filme, Projektionen, Bücher und Schallplatten; vertritt die Schweiz auf der Biennale di Venezia 1982

1990-1998 

eher biographische Arbeiten, publiziert Tagebücher, Videoinstallation „Solo Szenen“ und inszeniert erste von ihm selbst ausgerichtete Retrospektiven, gründet die „Dieter Roth Foundation“ in Hamburg

Einzelausstellungen (Auswahl)
1984Von hier aus – Zwei Monate neue deutsche Kunst in Düsseldorf
2001Dieter Roth. Die Haut der Welt + einige andere Dinge. Museu d'Art Contemporani de Barcelona, Barcelona
2003Roth-Zeit – Eine Dieter Roth Retrospektive. Schaulager, Basel
2004Roth-Zeit - Eine Dieter Roth Retrospektive. Museum Ludwig, Köln
200514. Mai - 21. August: Train, Reykjavik Art Museum
2006Martin Kippenberger / Dieter Roth. Hauser & Wirth, London
2007/2008

Arnulf Rainer / Dieter Roth: Misch- und Trennkunst.Gemeinschaftsarbeiten und Einzelwerke1968–2005. Deichtorhallen, Hamburg

2009/2010

Dieter Roth – Originale-Multiples-Objekte. Anton Meier, Genf

2010

Dieter Roth – Das Tränenmeer. Kunsthalle Luzern

2010/2011

Multiples, Werke von Joseph Beuys und Dieter Roth. Schloss Gottorf, 19. September 2010 bis 15. Mai 2011

2011Dieter Roth – Selbste. 19. August – 6. November 2011, Aargauer Kunsthaus, Aarau
2012

Dieter Roth – Selbste. 3. März – 24. Juni 2012, Museum der Moderne Salzburg

2013/2014

Dieter Roth, Paffrath und die siebziger Jahre. Städtische Galerie Villa Zanders, Bergisch Gladbach

Förderungen und Preise
1994Berliner Kunstpreis in der Sparte Bildene Kunst
1998COLOGNE FINE ART-Preis
Vorträge und Lehrtätigkeit
 Lehrauftrag an der Yale-University in New Haven, USA

Ausstellungen im museum FLUXUS+

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